Daily Archives: 8. January 2015

Wachs gibt den Takt vor

BERNECK/AU-HEERBRUGG

Mit der Betriebsbesichtigung bei der Kerzenfabrik Hongler in Altstätten gelang es den Parteimitgliedern Einblick zu geben in ein altes Handwerk.

Beim Rundgang durch die Produktionsräume stellte die Besucherschaft fest: Das Wachs gibt den Takt der Arbeit an, es will gleichmässig verarbeitet und sorgfältig behandelt sein. Gemächlich erwärmt auf gut 60 Grad, wird es flüssig und kann von der Baumwolle des Dochtes quasi der «Seele», aufgenommen werden. 400 Meter Docht sind auf einer Trommel von etwa einem Meter Durchmesser aufgewickelt. Das eine Ende wird an einer zweiten Trommel festgemacht – dazwischen befindet sich die Wanne mit dem flüssigen Wachs. Wenn die Trommeln gedreht werden, zieht der Docht durch das flüssige Wachs, kühlt ab, wird auf der zweiten Trommel aufgewickelt, kehrt wieder zurück ins Wachs, legt bei jedem Durchgang einen Millimeter an Umfang zu. Ein Vorgehen, das dem Wachsmeister jahrelange Erfahrung abverlangt. Nischenprodukt
Fast weiss oder bernsteinfarben ist das Bienenwachs, manchmal gar braun. Bienenwachs ist teuer, statistisch betrachtet enthält nur noch jede fünfzigste Kerze Anteile dieses Sekrets aus den Wachsdrüsen der Insekten. Für ein Kilogramm Bienenwachs braucht es 150 000 Bienen, erklärte Gruppenführerin Rita Krucker der interessierten Besucherschaft. Das erklärt auch den hohen Preis der Bienenwachskerzen. Günstiger ist Stearin, das aus Pflanzenölen gewonnen wird. Am billigsten sind Kerzen aus Paraffin. Neun von zehn Kerzen sind aus diesem Erdölprodukt. Elfenbeinfarbene, lange, oft armdicke Kerzen von enormem Gewicht, lassen erahnen wie viele Stunden sich die Trommeln drehen mussten, bis zum Fertigprodukt. «Liturgische Kerzen», nach Mass gefertigt sind eine Nische, eine Spezialität der Kerzen Fabrik Hongler. Der Produzent kennt Länge und Durchmesser des Dorns aller Kerzenhalter auf den Altären. Nach diesen Angaben aus dem Archiv wird die Bohrung am Kerzenfuss angebracht. Der Fuss wird mit einem Stempel versehen, der den Bienenwachsanteil von 55 Prozent garantiert. Faszinierend war auch den Spezialisten, welche die Kerzen verzieren über die Schultern zu gucken. Selbstverständlich durfte abschliessend ein Rundgang durch den Fabrikladen nicht fehlen. (pd)
Bildlegi: Mit grossem Fachwissen führt Rita Krucker die Besucherschaft durch die Produktionsräume der Firma Kerzen Hongler in Altstätten. (Foto Judith Pizzingrilli)